Idar-Oberstein gilt als Zentrum der deutschen Edelsteinindustrie und ist weltweit bekannt für seine Handwerkskunst. Die Fachleute in Idar-Oberstein können auf eine über Jahrhunderte gewachsene Infrastruktur und Erfahrung im Umgang mit edlen Materialien zurückgreifen.

Die ersten Achatfunde in der ehemaligen Grafschaft Oberstein sind für das Jahr 1454 belegt. Dem aufkommenden Handwerk des Achatschleifens trug aber erst Philipp Franz von Daun 1609 durch Erlass einer Zunftordnung für die Schleifer seiner Herrschaft Rechnung. Ende des 17. Jahrhunderts verlagerten die Achatschleifer dann ihre Tätigkeit vom Obersteiner Nahegebiet auf das Idarbachgebiet. Dort befand sich eine für das Schleiferhandwerk notwendige steile Wasserführung. Die regelmäßigen Überschwemmungen der Idar trieben die Schleifmühlen an.

Neben dem Achatschleifer kam auch der Beruf des Goldschmiedes auf. Diese gaben seine 1745 eine Zunftordnung und wirkten als Auftraggeber für das zuvor entstandene Schleiferhandwerk. Idar und Oberstein waren zu diesem Zeitpunkt noch getrennte Orte (erst 1933 wurden sie im Zuge einer Reform zusammengelegt). Die Idarer konzentrierten sich vor allem auf das Achateschleifen, während die Obersteiner meist zu den auch Handel treibenden Goldschmieden zählten.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam es dann in mehrfacher Hinsicht zu einer Zäsur in der Region. Durch die 1789 eingeführte Gewerbefreiheit siedelten sich viele Goldschmiede an. Allerdings gingen auch die örtlichen Edelsteinfunde zurück. Der Grund dafür, dass das Gewerbe dennoch nicht zum Erliegen kam, war unter anderem, dass viele Menschen aus dieser Region emigrierten und es zu zufälligen Entdeckungen von Rohsteinlagerstätten in Brasilien kam sowie zu einer regen Reisetätigkeit von Idar-Oberstein nach Afrika, Asien und Australien. Nach und nach erfolgte so die Einfuhr der verschiedenen Rohedelsteine aus allen Erdteilen. Darüber hinaus war Idar-Oberstein auch an fast allen Entdeckungen neuer Rohstoffvorkommen im 19. und 20. Jahrhundert beteiligt. Dies schuf die Voraussetzung dafür, dass in Idar-Oberstein im Laufe der Zeit alle bekannten Edelsteine geschliffen und gehandelt wurden. Aufgrund dessen lassen sich dort auch alle dazugehörigen Berufe und Verarbeitungstechniken vorfinden. Um weitere Impulse zu geben, gründete man 1987 eine Fachschule für Edelstein- und Schmuckgestaltung. Absolventinnen und Absolvent:innen dieser Fachschule konnten mehrfach bei den internationalen Wettbewerben ,,Deutscher Schmuck-und Edelsteinpreis Idar-Oberstein“ sowie ,,Deutscher Nachwuchswettbewerb für Edelstein- und Schmuckgestaltung Idar-Oberstein“ Preise erringen. Der ausgebildete Nachwuchs behauptet sich bis heute nicht nur lokal als eine feste Größe, sondern auch weltweit.


Autor: Maximilian Deheck

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