Am 25. November 1973 herrschte auf den Straßen und Autobahnen der Bundesrepublik Deutschland eine gähnende Leere und ungewohnte Stille. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes galt ein bundesweites Fahrverbot. Ausnahmegenehmigungen erhielten nahezu nur Polizisten und Ärzte - die meisten Autobesitzer mussten ihre Wagen stehen lassen. Den Sonntagsausflug nutzten daher viele zum Spaziergang auf den leeren Fahrbahnen, andere holten die Fahrräder raus oder stiegen auf öffentliche Verkehrsmittel um. Für die meisten war es ein ungewohnter Spaß, gemütlich über die sonst so viel befahrenen Straßen zu bummeln oder zu radeln.

Wenige Tage zuvor hatte die Bundesregierung unter Willy Brandt in einem "Energiesicherungsgesetz" drastische Sparmaßnahmen angeordnet: Für vier Sonntage im November und Dezember wurde ein Fahrverbot erlassen und eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 100km/h auf der Autobahn und 80km/h auf den Landstraßen verhängt. Ursache war das Embargo der Organisation der Erdöl exportierenden Staaten (OPEC) vom 17. Oktober 1973. Die arabischen Staaten wollten mit einer Drosselung ihrer Erdölexporte die USA und die europäischen Staaten dazu zwingen, im Jom-Kippur-Krieg Ägyptens und Syriens gegen Israel Position für die arabische Seite zu beziehen.


Autor: Maximilian Deheck

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